rudi.Themen

Demokratie

Demokratiebildung und gesellschaftliche Verantwortung im Religionsunterricht

Demokratiebildung im Religionsunterricht: Orientierung, Haltung, Verantwortung übernehmen

Der Religionsunterricht steht heute vor der anspruchsvollen Aufgabe, junge Menschen zu befähigen, ihren Platz in einer pluralen, demokratischen Gesellschaft verantwortungsvoll zu gestalten. Als Lernort für Werteorientierung, Urteilsbildung und Dialogkompetenz trägt er in besonderer Weise dazu bei, demokratische Haltungen zu fördern und Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, sich aktiv in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.

In einer Zeit, in der demokratische Grundprinzipien weltweit unter Druck geraten, rechtspopulistische Bewegungen an Einfluss gewinnen und religiöse Inhalte zunehmend politisch instrumentalisiert werden, gewinnt die Rolle des Religionsunterrichts als Ort kritischer Reflexion und differenzierten Denkens eine neue Bedeutung. Populistische Akteure – ob in Deutschland, Europa oder den USA – berufen sich immer wieder selektiv auf das Christentum, um Abgrenzung, Nationalismus und antipluralistische Vorstellungen zu legitimieren. Diese Vereinnahmung religiöser Traditionen macht es umso wichtiger, Schülerinnen und Schülern eine theologisch reflektierte und demokratisch verantwortete Perspektive auf Religion zu eröffnen.

Damit versteht sich diese Projektseite als ein Ort fachlicher Orientierung, praktischer Hilfestellung und engagierter Positionierung für einen Religionsunterricht, der Mut macht, Verantwortung zu übernehmen – für die Demokratie, für das Zusammenleben und für eine offene, menschenwürdige Gesellschaft.

Fachbeiträge

Zum Beitrag des Religionsunterrichts zur Demokratiebildung

Keine Neutralität im Schweigen: Der demokratische Auftrag des Religionsunterrichts

Ein Beitrag von Johannes Heger

Der Religionsunterricht steht heute unter dem Eindruck multipler Krisen – gesellschaftlicher Spaltung, wachsender Extremismen, globaler Unsicherheiten. In dieser Situation stellt sich drängender denn je die Frage, welchen Beitrag religiöse Bildung zur Demokratie leisten kann. Johannes Heger zeigt in seinem Artikel, dass weder die einfache Lösung einer moralisch-belehrenden religiösen Bildung noch das Gegenteil – eine angebliche politische Neutralität – tragfähige Antworten bieten. Beide führen in Sackgassen: Die erste instrumentalisiert Religion zur Wertevermittlung, die zweite entkoppelt sie völlig vom gesellschaftlichen Leben und ignoriert die demokratischen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler.

Stattdessen entwickelt Johannes Heger eine theologisch fundierte Perspektive, die deutlich macht: Christliche Tradition und Religionsunterricht besitzen eine mittelbare, aber unverzichtbare Affinität zur Demokratiebildung.

Die jüdisch-christliche Botschaft ist auf zwischenmenschliches Handeln ausgerichtet – auf Gerechtigkeit, Frieden, Humanität und die besondere Aufmerksamkeit für Benachteiligte.

Diese Werte bilden Resonanzräume, in denen Menschen lernen, sich ansprechen zu lassen, Verantwortung zu übernehmen und sich für ein solidarisches Zusammenleben einzusetzen. Genau hierin liegt das demokratiebildende Potenzial religiöser Bildung: Sie stärkt jene Haltungen, ohne die demokratische Lebensformen nicht bestehen können.

Zugleich betont Johannes Heger, dass dieser Beitrag nur dann glaubwürdig bleibt, wenn er nicht exklusiv oder übergriffig auftritt, sondern sich in den öffentlichen Diskurs einfügt. Religion kann demokratische Werte stärken – aber sie tut dies dialogisch, diskursiv und stets unter Anerkennung pluraler Stimmen.

Daraus ergeben sich klare Orientierungslinien für einen demokratieförderlichen Religionsunterricht: Er geht von seinem eigenen Proprium aus, respektiert die Autonomie der Lernenden, thematisiert die Krisen der Gegenwart verantwortungsbewusst, reflektiert seine Methoden im Licht demokratischer Prinzipien und dekonstruiert fundamentalistische oder vereinfachende Ideologien.

Johannes Hegers Beitrag lädt Lehrkräfte ein, ihren eigenen Religionsunterricht kritisch zu befragen: Wie unterstützen wir in unserem Fach die Entwicklung demokratischer Haltungen? Wo tragen wir bereits mittelbar zur Demokratiebildung bei – und wo könnten wir stärker ansetzen? Religionsunterricht darf, kann und soll Demokratie stärken – aber auf seine eigene, theologisch und pädagogisch verantwortete Weise.

Heger, J. (2025) „Religionsunterricht als mittelbarer Beitrag zur Demokratiebildung.“, RPI-Impulse, 2|25, S. 5–9.

„Der Religionsunterricht als entscheidender Faktor der Demokratiebildung“

Ein Beitrag von Katja Boehme

Der Artikel von Katja Boehme zeigt, warum der Religionsunterricht eine zentrale Rolle für die Demokratiebildung an Schulen spielt. Sie kritisiert, dass Demokratiekompetenzen – besonders Haltungen und Werte – nicht einfach durch Schule „hergestellt“ werden können, weil sie weder rechtlich erzwingbar noch pädagogisch vollständig verfügbar sind.

Demokratie lebt von Voraussetzungen wie Respekt, Empathie und Toleranz, die nicht verordnet, sondern nur angebahnt werden können.

Gerade deshalb kommt dem Religionsunterricht eine besondere Bedeutung zu: Er bildet religiöse und weltanschauliche Pluralität sichtbar ab, fördert die

Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen und befähigt Schüler*innen, mit Differenzen konstruktiv umzugehen.

Da der Religionsunterricht nicht staatlich, sondern von Religionsgemeinschaften verantwortet wird, besitzt er ein einzigartiges gesellschafts- und ideologiekritisches Potenzial.

Als besonders wirksam beschreibt Boehme das interreligiöse Begegnungslernen („Sharing Worldviews“), das durch reale Begegnungen, Irritationen und Perspektivwechsel tiefgreifende demokratische Kompetenzen wie Dialogfähigkeit, Ambiguitätstoleranz und Urteilsvermögen fördert.

Insgesamt zeigt Boehme, dass der Religionsunterricht ein unverzichtbarer Ort demokratischer Bildung ist, weil er Wissen, Haltung und Begegnung verbindet und so einen Beitrag zur Entwicklung eines demokratischen Habitus leistet.

Boehme, K. (2025) „Der Religionsunterricht als entscheidender Faktor der Demokratiebildung“, Österreichisches Religionspädagogisches Forum, 33(2), S. 42–62. doi: 10.25364/10.33:2025.2.4.

Vom Rückzug ins Private zum gemeinsamen Denken

Ein Beitrag von David Novakovits

Der Religionsunterricht besitzt ein außergewöhnliches Potenzial für die Demokratiebildung – und gerade deshalb lohnt es sich, die Denkform „Das kann jede:r nur für sich selbst wissen“ näher zu betrachten.

David Novakovits zeigt, dass diese Haltung zwar ein Ausdruck moderner Freiheit und berechtigter Skepsis gegenüber dogmatischen Wahrheitsansprüchen ist, zugleich aber eine problematische Nebenwirkung hat: Sie führt dazu, dass religiöse und ethische Fragen vollständig in den Bereich des Privaten verschoben werden. Wo jede Überzeugung zur rein persönlichen Angelegenheit erklärt wird, verlieren Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit – und oft auch das Interesse –, ihre Positionen mit anderen zu diskutieren.

Doch genau diese dialogische Auseinandersetzung ist Kern jeder demokratischen Kultur.

Im Religionsunterricht zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich: Unterschiedliche Gottesbilder oder Weltdeutungen erzeugen kaum noch Klärungsdruck, weil man davon ausgeht, dass man sowieso „nicht recht haben kann“. Novakovits argumentiert jedoch, dass gerade hier das demokratiebildende Potenzial des RU liegt: im gemeinsamen Denken. Weder radikale Skepsis noch radikaler Individualismus führt zu mündigen Urteilen. Erst der Austausch mit anderen – der „Probierstein“ in Kants Sprache oder die Irritation durch fremde Perspektiven bei Hegel – ermöglicht echte Verständigung und überprüfbare Einsichten.

Das macht den RU zu einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, was Demokratien brauchen: den Mut, eigene Positionen zu prüfen, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam nach besseren Antworten zu suchen.

Der Artikel lädt Lehrkräfte dazu ein, diese Denkform selbst zum Lerngegenstand zu machen und Lernräume zu schaffen, in denen Irritation, Perspektivwechsel und vorläufige Wahrheiten Platz haben. So entsteht eine Unterrichtskultur, die nicht auf schnelle Harmonie zielt, sondern auf das gemeinsame Ringen um Deutung und Orientierung – ein zentraler Beitrag zu demokratischer Bildung. Wer verstehen möchte, wie Religionsunterricht Schülerinnen und Schüler zu dialogfähigen, reflektierten und verantwortlichen Bürger*innen machen kann, findet in Novakovits’ Analyse wertvolle Impulse für die eigene Praxis.

Novakovits, D. (2025) „Von der Notwendigkeit, gemeinsam zu denken: Eine religionspädagogische Bearbeitung der Denkform ‚Das kann jede:r nur für sich selbst wissen‘“, Österreichisches Religionspädagogisches Forum, 33(2), S. 81–97. doi: 10.25364/10.33:2025.2.6 .

Von Moses bis Özil – was Religionsunterricht zur Demokratie beitragen kann

Ein Beitrag von Thomas Schlag

Der Beitrag zeigt, dass religiöse Bildung untrennbar mit demokratischer Orientierung verbunden ist: Religionsunterricht trägt zur kritischen Mündigkeit bei, indem er Menschenwürde, Empathie und Verantwortungsbewusstsein stärkt. Am Beispiel des Themas Rassismus wird deutlich, wie RU – ohne zu indoktrinieren – biblische Impulse, Menschenrechtsbildung und die Reflexion eigener Haltungen verbindet, um Schüler*innen zu sensibilisieren und zu einem respektvollen, solidarischen Miteinander zu befähigen.

Schlag, T. (2018) „Von Moses bis Özil – was Religionsunterricht zur Demokratie beitragen kann“, ufuq.de (https://www.ufuq.de/aktuelles/von-moses-bis-oezil-was-religionsunterricht-zur-demokratie-beitragen-kann).

Gegenwart und Zukunft der Fellbacher Erklärung – Ein Tagungsresümee und Zukunftsausblick zum Demokratiebezug des schulischen Religionsunterrichts

Ein Beitrag von Thomas Schlag

Der Beitrag zeigt, dass Religionsunterricht für demokratische Bildung zentral bleibt: Schulprojekte fördern Begegnung, Teilhabe und interreligiösen Dialog, während unverhandelbare Werte wie Menschenwürde und der Schutz vor Rassismus maßgeblich sind. Für die Zukunft braucht es mehr Kooperation zwischen Fächern, stärkere Medien- und Resilienzkompetenz sowie einen dialogoffenen, demokratisch profilierten Religionsunterricht.

Schlag, T. (2022) „Gegenwart und Zukunft der Fellbacher Erklärung – Ein Tagungsresümee und Zukunftsausblick zum Demokratiebezug des schulischen Religionsunterrichts“, Praxisbeiträge der Religionen zur schulischen Demokratiebildung, S.62-63.

Fachbeiträge

Demokratiebildung & -pädagogik in Schule

Fachbeiträge zur Demokratiepädagogik

Die Sammlung bietet frei zugängliche Grundlagen-, Fach- und Praxisartikel zur Demokratiepädagogik und politischen Bildung. Enthalten sind theoretische Einführungen, praxisnahe Handlungsempfehlungen für Schule und Unterricht sowie Beiträge zu Partizipation, Inklusion, Schulentwicklung und demokratischer Schulkultur. Ergänzt wird das Angebot durch Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen (z. B. Rassismus, Digitalisierung, Verschwörungsideologien), Sammelbände, Rezensionen und ausgewählte Onlineveröffentlichungen aus der Mediathek.

Besser beteiligen

Das Heft zeigt eindrücklich, wie Demokratie durch aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gelernt und gelebt werden kann. Anhand von Good-Practice-Beispielen aus Forschung, Schule, Kommune und Jugendarbeit wird deutlich: Partizipation stärkt demokratische Kompetenzen, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe – besonders bei benachteiligten jungen Menschen. Zentrale Themen sind die Mitbestimmung in Bildungs- und Forschungsprozessen, kreative Beteiligungsformate, Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe sowie die Bedeutung von Medien- und Urteilskompetenz in polarisierten Zeiten.

Demokratiebildung

Lehrkräfte erhalten hier einen Überblick über die Positionen, Empfehlungen und Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zur Demokratiebildung. Die Texte informieren über Ziele demokratischer Bildung, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht, empfohlene Projekttage (z. B. am 9. November) sowie über Materialien und Fortbildungsangebote.
Zudem werden Impulse zur historisch-politischen Bildung, Erinnerungskultur, Menschenrechtsbildung und Partizipation sowie Hinweise auf nationale und europäische Initiativen zur Demokratieerziehung bereitgestellt.

Demokratie will gelernt sein!

Demokratiebildung muss in der Schule weit über Wissensvermittlung hinausgehen: Kinder und Jugendliche sollen Demokratie erleben, indem sie mitentscheiden, Konflikte lösen, Verantwortung übernehmen und Selbstwirksamkeit erfahren. Das gelingt vor allem durch praktische, partizipative Formate im schulischen Alltag, die demokratische Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz und Konfliktfähigkeit konkret erfahrbar machen. Schulen werden dabei zu zentralen Lernorten gelebter Demokratie, unterstützt durch kommunale Bildungsstrukturen, die Beteiligung strategisch verankern und lebensweltnahe Räume für Mitbestimmung eröffnen.

Demokratiebildung

Das Praxishandbuch zeigt, wie Demokratiebildung nachhaltig in Schule und Bildungsprojekte übertragen werden kann. Im Mittelpunkt stehen Transferprozesse: Wie gelingen sie? Was braucht es, damit gute Praxis nicht bei Einzelprojekten stehen bleibt, sondern Schulentwicklung und Kooperationen langfristig prägt?
Das Handbuch bietet konkrete Werkzeuge, Reflexionsfragen und Beispiele, um demokratische Bildungsansätze wirksam zu verankern – praxisnah, realistisch und anschlussfähig für den Schulalltag.

Das Reflexionsheft bündelt Qualitätskriterien guter Demokratiebildung und lädt Lehrkräfte dazu ein, die eigene Praxis kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Es strukturiert Demokratiebildung entlang drei Dimensionen: inhaltlich (Werte, Demokratieverständnis, Beteiligung), pädagogisch (Haltung, Diversität, Lernkultur) und strukturell (Projekt- und Kooperationsmanagement).
Mit vielen Reflexionsfragen, Praxistipps und Beispielen unterstützt das Heft dabei, Demokratie nicht nur zu vermitteln, sondern im Schulalltag konkret zu leben.

Fachbeiträge

Positionalität der Lehrkraft

Standpunkt zeigen – ohne zu überwältigen: Positionalität im Religionsunterricht

Ein Beitrag von Steffi Fabricius

Auf Grundlage des Beitrags von Steffi Fabricius lässt sich Positionalität im Religionsunterricht nicht als bloßes „Haben einer Meinung“ verstehen, sondern als jene tief in Biografie, Glauben, Werten und kirchlicher Zugehörigkeit verwurzelte Grundhaltung, aus der Religionslehrkräfte heraus sprechen und handeln. Fabricius zeigt, dass Religionslehrkräfte keine neutralen Beobachter*innen sind, sondern existenziell „verwickelt“: Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen staatlichem Bildungsauftrag, kirchlicher Bevollmächtigung, eigener Glaubensgeschichte und den Erwartungen der Lernenden („Was glauben Sie eigentlich?“). Damit wird Positionalität immer auch politisch relevant – denn sie berührt Fragen von Menschenbild, Gerechtigkeit, Macht, Teilhabe und Pluralität.

Zentral ist für Fabricius die Unterscheidung zwischen konfessioneller Positionalität (äußere Zugehörigkeit, kirchlicher Auftrag, Rolle als Vertreter*in einer Konfession) und individuell-religiöser Positionalität (persönlicher Glaube, Zweifel, Erfahrungen). Beide Dimensionen prägen, wie religiöse wie auch gesellschaftlich-politische Themen im Religionsunterricht vermittelt, gewichtet und interpretiert werden. Zugleich verweist Fabricius deutlich auf die Grenzen religiöser Positionalität im schulischen Raum: Der Beutelsbacher Konsens schützt Lernende vor Überwältigung. Positionalität bedeutet deshalb nicht, Schülerinnen und Schüler in die eigene Glaubens- oder politische Richtung zu ziehen, sondern nachvollziehbar und transparent Haltung zu zeigen und dialogisch offen zu bleiben.

Fabricius betont, dass professionelle Religionslehrkräfte ihre Positionalität nicht verdrängen, sondern reflektieren müssen. Dazu gehört, die eigene Glaubensbiografie, die Beziehung zur Kirche sowie die Haltung zu gesellschaftlichen Konfliktthemen und demokratischen Werten immer wieder zu klären. Denn nur wer die eigene Position kennt und verantwortet, kann Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, selbst urteilsfähig, dialogbereit und demokratisch handlungsfähig zu werden – statt unbewusst die eigene Perspektive zu reproduzieren.

Fabricius, S. (2022) „Positionalität, Lehrende“, WiReLex, https://doi.org/10.23768/wirelex.Positionalitt_Lehrende.201013.

Neutral? Auf keinen Fall. Haltung zeigen!

Diese Handreichung zeigt klar und praxisnah, warum Lehrkräfte nicht neutral bleiben dürfen, wenn Demokratie, Würde und Gleichberechtigung auf dem Spiel stehen. Verständlich erklärt sie den Beutelsbacher Konsens, räumt mit Mythen über „Neutralität“ auf und gibt konkrete Tipps, wie man im Schulalltag sicher und professionell gegen diskriminierende Aussagen auftreten kann.

Politische Positionierung im Unterricht: Spielräume für Lehrkräfte

Politisch zu sein ist erlaubt – und nötig. Er zeigt klar, warum „strikte Neutralität“ ein Missverständnis ist und wie Sie im Unterricht Haltung zeigen können, ohne zu indoktrinieren. Auf Basis des Grundgesetzes und des Beutelsbacher Konsenses wird erläutert, wo Ihre Spielräume liegen, wie Sie gegen rassistische oder rechtspopulistische Positionen sicher und professionell reagieren und warum politische Bildung zum Kernauftrag jeder Schule gehört.

Wie politisch dürfen Lehrkräfte sein?

Dieser Beitrag räumt endlich mit dem Mythos der völligen Neutralität auf und zeigt, wie Lehrkräfte klar Haltung zeigen können, ohne zu indoktrinieren. Prägnant erklärt er den Beutelsbacher Konsens, liefert Orientierung für schwierige Unterrichtssituationen und macht Mut, kontroverse Themen souverän und demokratisch zu gestalten.

Weitere Beiträge

Deutschlandfunk Kultur

Mythos Neutralität an Schulen: Die Grenzen der Meinungsfreiheit im Klassenzimmer

Fachbeiträge

Vereinnahmung des Christentums durch Rechtspopulismus – ein „Christentum von rechts“

Ein „christlicher Staat“? Religiöser Fundamentalismus in der AfD

Ein Beitrag von Martin Fritz

Der Beitrag von Martin Fritz dokumentiert und analysiert eine Veranstaltung der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“ im Deutschen Bundestag, bei der ein christlich-fundamentalistisches Staatsverständnis vertreten wurde. Im Zentrum steht der Vortrag des Pastors Tobias Riemenschneider, der den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes theologisch neu deutet und daraus weitreichende politische Forderungen ableitet.

Riemenschneider weist die etablierte juristische Auslegung des Gottesbezugs zurück und behauptet, dieser verpflichte Staat und Gesetzgebung ausdrücklich auf den christlichen Gott der Bibel. Politik habe sich nach „Gottes objektivem Maßstab“ zu richten; demokratische Gesetzgebung, die davon abweiche – etwa in Fragen von Schwangerschaftsabbruch,

Geschlechterrollen oder religiöser Pluralität –, werde als Zeichen gesellschaftlicher „Gottlosigkeit“ gedeutet. Daraus folgert er den Auftrag zu einem „christlichen Staat“, der sich bewusst gegen religiös-weltanschauliche Neutralität entscheidet.

Der Artikel arbeitet kritisch heraus, dass diese Position zentrale Prinzipien des Grundgesetzes unterläuft: Religionsfreiheit, Gleichberechtigung, weltanschauliche Neutralität des Staates und demokratische Gesetzgebung.

Zugleich zeigt er, wie religiöser Fundamentalismus mit rechtspopulistischen Deutungsmustern verbunden wird – etwa durch die Abwertung pluraler Gesellschaften, die Warnung vor kulturellem „Verfall“ und die Instrumentalisierung von Christentum zur Legitimation politischer Machtansprüche.

Für Schule und politische Bildung ist der Beitrag besonders relevant, weil er exemplarisch vor Augen führt, wie Religion politisch instrumentalisiert und gegen demokratische Grundwerte in Stellung gebracht wird. Er liefert damit wichtiges Material, um im Unterricht die Grenzen legitimer religiöser Positionierung, den Unterschied zwischen Glaubensfreiheit und Theokratie sowie die Bedeutung eines demokratischen, pluralen Verfassungsstaates zu reflektieren.

Fritz, M. (2025) „Ein fundamentalistisches Christentum als Staatsreligion – Die „Christen in der AfD“ lassen sich von Tobias Riemenschneider erbauen“, Evangelische Zentralstelle für Weltanschuungsfragen, Berlin.

„Christentum von rechts“ als Thema des Religionsunterrichts?

Ein Beitrag von Jan-Hendrik Herbst

Religiöse Bildung it zunehmend von rechten und rechtspopulistischen Angriffen betroffen – sowohl politisch (z. B. durch AfD-Meldeportale, parlamentarische Anfragen, Einfluss auf Schulbücher) als auch innerkirchlich durch Formen eines „Christentums von rechts“. Der Religionsunterricht steht damit in einer doppelten Spannung: Er ist Teil staatlicher Bildung und zugleich kirchlich verantwortet und wird dadurch besonders angreifbar.

Herbst argumentiert, dass Religionspädagogik darauf nicht neutral reagieren kann. Er entwickelt drei zentrale Konsequenzen: Erstens müsse sich Religionspädagogik als politischer Akteur verstehen, der für Menschenrechte und Demokratie eintritt.

Zweitens seien Grundbegriffe religiöser Bildung (z. B. Mündigkeit, Identität, Kontroversität) neu zu reflektieren.

Drittens könne und solle der Religionsunterricht selbst das Thema „Christentum von rechts“ kritisch aufgreifen, um religiöse Instrumentalisierungen sichtbar zu machen.

Anhand konkreter Unterrichtsbeispiele zeigt der Beitrag, dass der Religionsunterricht einen eigenständigen Beitrag zur kritischen, demokratischen Bildung leisten kann – vorausgesetzt, Lehrkräfte beziehen transparent Position, ohne zu überwältigen, und fördern theologisch fundierte Urteilsfähigkeit.

Herbst, Jan-Hendrik. (2025) „Christentum von rechts“ als Thema des Religionsunterrichts? Religiöse Bildung im Angesicht von Angriffen auf den enschenrechtlichen Konsens in Kirche und Schule, Religionspädagogische Beiträge. Journal for Religion in Education 45(2022)1, 87−99, https://doi.org/10.20377/rpb-164.

Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar. Erklärung der deutschen Bischöfe

Ein Beitrag der deutschen Bischöfe

Am 22. Februar 2024 hat die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung einstimmig die Erklärung Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar verabschiedet. Die Bischöfe beschreiben den Rechtsextremismus als derzeit drängendste Gefahr für die freiheitliche Ordnung. Sie setzen sich ideologiekritisch mit rechtsextremen Positionen, insbesondere mit dem völkischen Nationalismus, auseinander und rufen dazu auf, Parteien dieser Ausrichtung abzulehnen:

„Wir sagen mit aller Klarheit: Völkischer Nationalismus ist mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar.“

Das Dokument unterstreicht die Berechtigung und Bedeutung des Dialogs mit Menschen, die für rechtsextreme Ideologien empfänglich sind und fordert, sich aktiv für die freiheitliche Demokratie

zu engagieren: Ein freiheitliches und gerechtes Zusammenleben gründet auf einem umfassenden Verständnis der Menschenwürde:

„Die Menschenwürde ist der Glutkern des christlichen Menschenbildes und der Anker unserer Verfassungsordnung. Leisten wir alle Widerstand, wenn Menschenwürde und Menschenrechte in Gefahr geraten! Engagieren wir uns gemeinsam aktiv für die freiheitliche Demokratie!“

Die Deutschen Bischöfe, „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar – Erklärung der deutschen Bischöfe“, 2022, Deutsche Bischofskonferenz, Bonn.

Weitere Beiträge

Deutschlandfunk Kultur

Christentum von Rechts: Konservative Theologie im Kampfmodus – Martin Fritz im Gespräch

Heinrich Böll Stiftung

Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern

ARD – tagesschau

Wie die AfD das Christentum für sich nutzt

Deutschlandfunk

Die AfD und das Christentum

Deutsche Welle

AfD und radikale Christen: Traum von anderer Gesellschaft

11km tagesschau Podcast

Auf göttlicher Mission: Wie rechte Politiker das Christentum instrumentalisieren

Praxis & Medien

Primarstufe

Demokratiebildung beginnt in der Grundschule. Der Religionsunterricht leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem er Kindern früh Räume eröffnet, in denen sie Fragen nach Fairness, Mitbestimmung, Verantwortung, Menschenwürde und einem guten Zusammenleben stellen und gemeinsam bedenken können. Ausgehend von der Lebenswelt der Kinder werden demokratische Grundhaltungen altersgemäß angebahnt.

Im Religionsunterricht erfahren Kinder, dass ihre Meinung zählt und dass unterschiedliche Sichtweisen respektvoll gehört werden müssen. Durch Gespräche, gemeinsame Regeln, Beteiligungsformen und den Umgang mit Vielfalt wird Demokratie nicht nur erklärt, sondern im Unterrichtsalltag konkret gelebt. So lernen Schülerinnen und Schüler, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Der Religionsunterricht in der Grundschule stärkt damit grundlegende Orientierungs-, Dialog- und Partizipationskompetenzen. Er begleitet Kinder auf ihrem Weg, sich als wertvolle Mitglieder einer demokratischen Gemeinschaft zu verstehen – und legt damit ein frühes Fundament für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratisches Handeln.

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Sekundarstufe I

Der katholische Religionsunterricht der Sekundarstufe I leistet einen eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag zur Demokratiebildung. In einer Lebensphase, in der Jugendliche beginnen, gesellschaftliche Konflikte, politische Positionen und Fragen nach Macht, Gerechtigkeit und Zugehörigkeit kritisch zu reflektieren, bietet der Religionsunterricht einen geschützten Raum für Orientierung, Urteilsbildung und verantwortliche Positionierung.

Ausgehend vom christlichen Menschenbild, das die unantastbare Würde jedes Menschen betont, thematisiert der katholische Religionsunterricht grundlegende demokratische Werte wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Verantwortung. Biblische Texte, kirchliche Soziallehre sowie aktuelle ethische und gesellschaftliche Fragestellungen ermöglichen es, demokratische Prinzipien kritisch zu prüfen, zu begründen und mit persönlichen Haltungen in Beziehung zu setzen.

Demokratiebildung im katholischen Religionsunterricht bedeutet dabei mehr als Wissensvermittlung. Jugendliche lernen, unterschiedliche Überzeugungen – religiöse wie nichtreligiöse – wahrzunehmen, auszuhalten und respektvoll zu diskutieren. Kontroverse Themen wie soziale Ungleichheit, Migration, Menschenrechte, Extremismus oder der Umgang mit Populismus werden unter Beachtung des Beutelsbacher Konsenses reflektiert. So werden Schülerinnen und Schüler befähigt, sich eine eigene begründete Meinung zu bilden, ohne überwältigt zu werden.

Zugleich eröffnet der Religionsunterricht Erfahrungsräume für Partizipation und Verantwortung: durch dialogische Unterrichtsformen, gemeinsame Entscheidungsprozesse, Projekte zu sozialem Engagement oder zur Gestaltung von Schule und Gesellschaft. Der katholische Religionsunterricht stärkt damit demokratische Handlungskompetenzen und fördert Zivilcourage, Empathie und die Bereitschaft, für andere einzustehen.

In Zeiten demokratischer Verunsicherung und gesellschaftlicher Polarisierung unterstützt der katholische Religionsunterricht Jugendliche dabei, ihre Stimme zu finden, sich gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu positionieren und Demokratie als gemeinsame Gestaltungsaufgabe zu verstehen.

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Sekundarstufe II

Der katholische Religionsunterricht in der Sekundarstufe II leistet einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung, indem er junge Erwachsene bei der Entwicklung einer reflektierten ethischen und politischen Urteilsfähigkeit begleitet. In einer Phase wachsender gesellschaftlicher Verantwortung setzt sich der Religionsunterricht mit grundlegenden Fragen nach Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Macht und Verantwortung auseinander und bietet Orientierungswissen in einer pluralen und konflikthaften Gesellschaft.

Ausgehend vom christlichen Menschenbild und der katholischen Soziallehre werden demokratische Grundwerte wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohlorientierung theologisch und ethisch reflektiert. Der Religionsunterricht eröffnet damit Perspektiven, um demokratische Ordnungen kritisch zu würdigen, ihre Voraussetzungen zu verstehen und ihre Gefährdungen – etwa durch Populismus, Extremismus oder die Instrumentalisierung von Religion – zu analysieren.

Demokratiebildung in der Sekundarstufe II bedeutet im katholischen Religionsunterricht insbesondere die Förderung argumentativer Kompetenz und verantwortlicher Positionierung. Die Auseinandersetzung mit kontroversen politischen, ethischen und religiösen Fragestellungen erfolgt unter Beachtung des Beutelsbacher Konsenses: Kontroversität wird sichtbar gemacht, eigenständige Urteilsbildung ermöglicht und die Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Subjekt- und Entscheidungskompetenz ernst genommen.

Zugleich versteht sich der katholische Religionsunterricht als Raum für dialogische Lernprozesse, in denen unterschiedliche weltanschauliche, religiöse und politische Positionen respektvoll diskutiert werden. Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Menschenrechten, globaler Verantwortung, Frieden, Nachhaltigkeit oder digitaler Öffentlichkeit fördern die Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe und zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Der katholische Religionsunterricht in der Sekundarstufe II trägt so dazu bei, junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu bilden, die ihre Freiheit reflektiert nutzen, demokratische Werte aktiv vertreten und sich gegen menschenfeindliche Ideologien und antidemokratische Tendenzen positionieren können.

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Berufsbildende Schule

Der katholische Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen leistet einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung, indem er junge Erwachsene in einer entscheidenden Phase ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Orientierung begleitet. Charakteristisch für die BBS ist, dass der Religionsunterricht häufig von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Konfessionen, Religionen und weltanschaulicher Prägungen gemeinsam besucht wird. Diese Vielfalt bildet eine besondere Chance für demokratisches und interreligiöses Lernen.

Ausgehend vom christlichen Menschenbild und der katholischen Soziallehre werden grundlegende demokratische Prinzipien wie die Würde jedes Menschen, Solidarität, Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Gemeinwohlorientierung thematisiert. Zugleich eröffnet der konfessionelle Religionsunterricht einen dialogischen Raum, in dem unterschiedliche religiöse und nichtreligiöse Perspektiven sichtbar, respektiert und kritisch reflektiert werden. Demokratiebildung geschieht hier konkret im gemeinsamen Aushandeln von Positionen und im respektvollen Umgang mit Differenz.

Im Kontext der Arbeits- und Lebenswelt werden Fragen nach fairen Arbeitsbedingungen, sozialer Ungleichheit, Migration, Diskriminierung, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Verantwortung aufgegriffen. Die heterogenen Erfahrungen der Lernenden bereichern den Unterricht und ermöglichen eine lebensnahe Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen und demokratischen Entscheidungsprozessen.

Demokratiebildung im katholischen Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen bedeutet insbesondere, junge Menschen zur reflektierten Meinungsbildung, Dialogfähigkeit und verantwortlichen Teilhabe zu befähigen. Kontroverse gesellschaftliche und politische Themen werden unter Beachtung des Beutelsbacher Konsenses behandelt: unterschiedliche Positionen werden sichtbar gemacht, eigene Standpunkte argumentativ entwickelt und respektvoll vertreten.

Gerade in der religiös und weltanschaulich pluralen Lerngruppe fördert der Religionsunterricht demokratische Handlungskompetenzen wie Empathie, Perspektivwechsel, Konfliktfähigkeit und Zivilcourage. So trägt er dazu bei, junge Erwachsene als mündige Bürgerinnen und Bürger zu stärken, die Demokratie nicht nur als politische Ordnung, sondern als gemeinsame Gestaltungsaufgabe im Alltag, im Betrieb und in der Gesellschaft verstehen.

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