Placemat

Die Placemat-Methode (auch bekannt als „Sprech- und Schreibdenkplatz“ oder „Meinungsplatz“) ist eine kooperative Schreib- und Denkform, bei der jede:r Schüler:in zunächst individuell arbeitet, bevor die Gruppe ihre Ergebnisse in der Mitte des „Placemats“ bündelt. Diese Methode verbindet Einzelreflexion, Austausch in der Kleingruppe und konsensorientiertes Arbeiten auf besonders strukturierte und wertschätzende Weise.

Im Religionsunterricht kann die Methode dazu beitragen, komplexe ethische oder theologische Fragestellungen gemeinsam zu erschließen, Perspektivenvielfalt sichtbar zu machen und gemeinsame Deutungsversuche zu fördern – besonders hilfreich bei sensiblen oder wertebezogenen Themen.


1. Zielsetzung und Kompetenzen

Die Placemat-Methode fördert zentrale Kompetenzen religiöser Bildung:

  • Reflexionskompetenz: Eigene Gedanken entwickeln und verschriftlichen
  • Dialog- und Teamfähigkeit: Positionen austauschen, begründen, zuhören
  • Deutungskompetenz: Religiöse oder ethische Aussagen gemeinsam erschließen
  • Urteilsfähigkeit: Gemeinsamkeiten und Unterschiede analysieren
  • Demokratisches Lernen: Konsensbildung und respektvoller Umgang mit Meinungsvielfalt

2. Didaktischer Mehrwert im Religionsunterricht

Die Placemat-Methode ist besonders geeignet, wenn:

  • individuelle Positionen sichtbar gemacht und konstruktiv zusammengeführt werden sollen
  • Vielstimmigkeit innerhalb einer Gruppe als Ressource genutzt werden soll
  • religiöse, ethische oder weltanschauliche Themen gemeinsam bearbeitet werden
  • eine strukturierte Gesprächs- und Schreibphase gewünscht ist
  • die Gruppe anschließend ihre gemeinsame Position ins Plenum einbringen soll

3. Methodischer Ablauf

a) Vorbereitung: Arbeitsblatt oder Vorlage

Das Placemat besteht meist aus einem Blatt mit vier Feldern in den Ecken (je ein Feld pro Person) und einem gemeinsamen Feld in der Mitte. Dies kann analog (Papier) oder digital (z. B. als geteiltes Dokument) gestaltet sein.

b) Individuelle Phase

Jede:r Schüler:in bearbeitet selbstständig die gestellte Frage oder Aufgabe – z. B.:

  • „Was bedeutet für dich Hoffnung?“
  • „Welche Bedeutung hat das Gleichnis vom barmherzigen Samariter heute?“
  • „Wie würdest du auf eine Ungerechtigkeit reagieren?“

Wichtig: Keine Diskussion in dieser Phase – jede Meinung zählt.

c) Gruppenphase: Austausch und Konsens

Die Gruppe (meist 3–4 Personen) tauscht sich über ihre Beiträge aus und formuliert anschließend eine gemeinsame Antwort oder Zusammenfassung im mittleren Feld.

Diese „Gruppenstimme“ ist das Ergebnis eines Dialogs: Sie kann Unterschiede benennen, Kompromisse darstellen oder ein gemeinsames Statement formulieren.

d) Präsentation und Weiterarbeit (optional)

Die Gruppenergebnisse können im Plenum vorgestellt, verglichen oder weiterverarbeitet werden – z. B. als Diskussionsanstoß, Grundlage für eine weitere Aufgabe oder als Impuls für die Reflexion.


4. Praktische Hinweise zur Umsetzung

  • Zeit klar strukturieren: Phase 1 (Einzelarbeit) und Phase 2 (Austausch) gut voneinander trennen
  • Methodenkompetenz aufbauen: Besonders bei jüngeren Schüler:innen braucht es eine kurze Einführung in das Verfahren
  • Themen gezielt auswählen: Fragen, die Deutung, Reflexion oder persönliche Perspektiven erfordern, eignen sich besonders gut
  • Ergebnisse sichern: Fotografieren, ausstellen oder digital abspeichern
  • Anschlussfähig gestalten: Ergebnisse können als Grundlage für Diskussionen, Schreibaufträge oder kreative Umsetzungen dienen

5. Mögliche Themenfelder im Religionsunterricht

ThemaPlacemat-Fragestellung
Gerechtigkeit„Was verstehst du unter einem gerechten Leben?“
Gottesbilder„Welche Bilder von Gott sind dir vertraut – und warum?“
Schuld und Vergebung„Wann ist Vergebung schwer – und wann befreiend?“
Glaube und Zweifel„Was bedeutet Glauben für dich?“
Schöpfung und Verantwortung„Welche Verantwortung tragen wir für die Welt?“
Biblische Gleichnisse„Was lehrt uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn heute?“
Weltreligionen„Was können Religionen zum Frieden beitragen?“

6. Fazit

Die Placemat-Methode ist eine strukturierte, kooperative und dialogische Lernform, die im Religionsunterricht auf ideale Weise individuelles Denken mit gemeinschaftlicher Verständigung verbindet. Sie bietet Raum für Meinungsvielfalt, wertschätzenden Austausch und kollektive Deutung – gerade bei sensiblen, ethischen oder weltanschaulichen Themen. Für Lehrkräfte in Ausbildung ist sie ein praxisnahes Werkzeug, um reflexionsfördernden, beteiligungsorientierten und kompetenzbasierten Religionsunterricht zu gestalten.