Open space

Die Methode Open Space (offener Raum) ist ein partizipatives, selbstorganisiertes Konferenz- und Lernformat, bei dem die Teilnehmenden die Themen, den Ablauf und die Arbeitsweise weitgehend selbst bestimmen. In der schulischen Adaption wird Open Space als strukturierter, aber offener Lernraum verstanden, in dem Schüler:innen ihre eigenen Fragen, Ideen oder Anliegen zu einem vorgegebenen Rahmenthema einbringen und gemeinsam bearbeiten können.

Gerade im Religionsunterricht eignet sich Open Space, um Lernende ernsthaft an Themen- und Meinungsbildung zu beteiligen, spirituelle Fragen eigenständig zu erforschen oder ethische Problemstellungen kooperativ und kreativ zu bearbeiten.


1. Zielsetzung und Kompetenzen

Die Methode fördert:

  • Eigenverantwortliches Lernen und Handeln
  • Beteiligung und demokratische Teilhabe
  • Kreativität und Problemlösefähigkeit
  • Team- und Kommunikationskompetenz
  • Selbstorganisation und Zeitmanagement
  • Reflexions- und Urteilsbildung zu religiösen oder ethischen Themen

2. Didaktischer Mehrwert im Religionsunterricht

Open Space bietet besondere Chancen, wenn:

  • Schüler:innen ihre eigenen religiösen oder ethischen Fragen einbringen sollen
  • ein Thema mehrdimensional und offen bearbeitet werden soll (z. B. Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung)
  • interdisziplinäre oder projektorientierte Ansätze gesucht werden
  • Schüler:innen als Expert:innen für ihre Anliegen ernst genommen werden sollen
  • eine lernende Gemeinschaft mit Verantwortungskultur aufgebaut werden soll
  • persönliche Bedeutsamkeit im Lernen gefördert werden soll

3. Methodischer Ablauf

a) Rahmenthema setzen

  • Lehrkraft oder Klasse bestimmt ein offenes Thema (z. B. „Was gibt meinem Leben Sinn?“, „Gerechtigkeit – eine Frage des Glaubens?“)
  • Ziel: Orientierung bieten, aber möglichst offen und interpretationsfähig halten

b) Themenfindung im Plenum

  • Lernende formulieren Fragen oder Anliegen, die sie zum Thema interessieren
  • Diese werden auf Karten geschrieben und im „Marktplatz“ (Tafel, Wand, Plakat) gesammelt
  • Jede Person kann ein eigenes Thema anbieten und übernimmt dafür Verantwortung

c) Arbeitsgruppenphase

  • Zu jedem Thema finden sich Gruppen (frei wählbar, Wechsel erlaubt)
  • Die Gruppen arbeiten selbstorganisiert: Diskussion, Recherche, kreative Umsetzung
  • Es gibt einen Zeitplan mit parallelen Zeitfenstern (z. B. 3 Phasen à 30 Min.)

d) Dokumentation und Ergebnissicherung

  • Jede Gruppe hält ihre Ergebnisse in einer Form fest: Plakat, Mindmap, Kurzvortrag, Performance etc.
  • Am Ende: Präsentation, Feedback, Diskussion im Plenum

e) Reflexion

  • Wie war das Arbeiten im offenen Format?
  • Was habe ich über mich, das Thema oder das gemeinsame Lernen erfahren?

4. Praktische Hinweise zur Umsetzung

  • Raumgestaltung offen und flexibel planen: mehrere Arbeitsstationen, Rückzugsorte, Visualisierungsmaterial
  • Regeln für respektvollen Umgang und Selbstverantwortung gemeinsam entwickeln
  • Klare Rollenverteilung vorschlagen, z. B. Protokollführer:in, Zeitwächter:in, Materialverantwortliche
  • Lehrkraft als Moderator:in oder unterstützende Begleitung, nicht als inhaltliche Steuerung
  • Zeit gut strukturieren, aber Pausen und Wechselmöglichkeiten zulassen
  • Besonders geeignet ab Sek I (ab Kl. 7) und in der Oberstufe

5. Mögliche Themenfelder im Religionsunterricht

ThemaMögliche Schülerfragen im Open Space
Frieden & KonfliktWie könnte „Frieden machen“ heute aussehen?
GerechtigkeitWarum gibt es Armut trotz Gottes Liebe?
Kirche & GesellschaftWas bedeutet Kirche für junge Menschen?
Schöpfung & NachhaltigkeitHaben Christ:innen eine besondere Verantwortung für die Erde?
Lebenssinn & ZukunftWie finde ich heraus, was mir im Leben wichtig ist?
Religion & MedienWie wird Religion in sozialen Netzwerken dargestellt – und warum?
Glaube & ZweifelDarf man an Gott zweifeln und trotzdem glauben?

6. Fazit

Open Space ist eine offene, partizipative und empowernde Methode, die es Schüler:innen ermöglicht, ihre eigenen religiösen und ethischen Fragestellungen ernsthaft einzubringen und zu bearbeiten. Sie stärkt Selbstverantwortung, Teamfähigkeit und Urteilsbildung gleichermaßen. Für angehende Lehrkräfte ist Open Space ein herausforderndes, aber lohnendes methodisches Format, das zeigt, wie religiöse Bildung lernendenzentriert, demokratisch und tiefgründig gestaltet werden kann.