Think per share

Think–Pair–Share (auch bekannt als „Denken – Austauschen – Vorstellen“) ist eine einfache, aber äußerst effektive Methode zur strukturieren Aktivierung von Lernenden. Sie bietet einen klaren Ablauf: Erst denkt jede:r für sich („Think“), dann tauscht man sich zu zweit aus („Pair“), anschließend werden Gedanken im Plenum geteilt („Share“).

Im Religionsunterricht fördert die Methode individualisiertes Nachdenken, dialogisches Lernen und gemeinsame Reflexion – besonders bei komplexen, persönlichen oder kontroversen Fragen.

Für angehende Lehrkräfte ist Think–Pair–Share ein niedrigschwelliger, flexibel einsetzbarer Baustein, der sich gut mit weiteren Methoden verknüpfen lässt und die Gesprächskultur sowie Denkprozesse strukturiert unterstützt.


1. Zielsetzung und Kompetenzen

Think–Pair–Share stärkt grundlegende Kompetenzen religiöser Bildung:

  • Reflexionskompetenz: eigene Gedanken formulieren und begründen
  • Dialogfähigkeit: Meinungen austauschen, zuhören, vergleichen
  • Argumentationskompetenz: Positionen entwickeln, erweitern, hinterfragen
  • Beteiligungskompetenz: Jede Stimme zählt – alle denken mit
  • Perspektivübernahme: eigene Ansichten mit denen anderer in Beziehung setzen

2. Didaktischer Mehrwert im Religionsunterricht

Die Methode ist besonders geeignet, wenn:

  • Gedanken und Meinungen systematisch erschlossen und vertieft werden sollen
  • eine Einstiegssituation zum Nachdenken oder emotionalen Reagieren geschaffen werden soll
  • stille Schüler:innen aktiviert und Diskussionen vorbereitet werden sollen
  • eine dialogische Lernatmosphäre etabliert werden soll
  • es darum geht, komplexe Inhalte in mehreren Denkphasen zu erschließen

3. Methodischer Ablauf

a) Think – Nachdenken (Einzelphase)

Die Schüler:innen denken still für sich über eine Frage oder ein Problem nach. Sie können Notizen machen, Stichpunkte schreiben oder spontan reflektieren. Mögliche Aufgabenformate:

  • „Was bedeutet dir der Begriff ‚Gerechtigkeit‘?“
  • „Wie würdest du in dieser Situation handeln?“
  • „Welche Aussage des Textes spricht dich besonders an?“

Dauer: ca. 1–3 Minuten

b) Pair – Austausch zu zweit

Die Lernenden tauschen sich in Partnerarbeit über ihre Gedanken aus:

  • Was hast du dir gedacht?
  • Was überrascht dich bei deinem Gegenüber?
  • Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede?

Dauer: ca. 3–5 Minuten

c) Share – Vorstellung im Plenum

Ausgewählte Gedanken oder Erkenntnisse werden im Plenum geteilt. Mögliche Formen:

  • Freie Beiträge
  • Sprecher:in aus jeder Gruppe
  • Sammlung auf dem Smartboard / Plakat
  • Blitzlicht oder Kartenabfrage

Dauer: flexibel (z. B. 5 Minuten oder als Einstieg in die nächste Methode)


4. Praktische Hinweise zur Umsetzung

  • Fragen klar und offen formulieren: Nicht zu einfach – aber auch nicht zu abstrakt
  • Zeit gut steuern: Alle drei Phasen sollten genug Raum bekommen, aber straff geführt sein
  • Sprachförderung berücksichtigen: Satzanfänge, Denkstützen, Wörterlisten anbieten
  • Vertrauensvolle Atmosphäre schaffen: Besonders bei persönlichen oder ethischen Fragen
  • Dokumentation ermöglichen: Beiträge können gesichert, weiterverwendet oder visualisiert werden
  • Verknüpfung mit weiteren Methoden: z. B. anschließendes Rollenspiel, Diskussion, Schreibauftrag

5. Mögliche Themenfelder im Religionsunterricht

ThemaBeispielhafte Think–Pair–Share-Frage
Nächstenliebe„Was bedeutet Nächstenliebe in deinem Alltag?“
Schuld & Vergebung„Was braucht es, damit echte Vergebung gelingt?“
Hoffnung„Wann hast du zuletzt Hoffnung erlebt – oder verloren?“
Glaube & Zweifel„Ist Zweifeln ein Teil des Glaubens – oder ein Gegenpol?“
Biblische Texte„Was spricht dich an – was irritiert dich am Text?“
Frieden & Gerechtigkeit„Was ist für dich ein gerechtes Zusammenleben?“
Weltreligionen„Was findest du spannend oder fremd an dieser Religion?“
Identität & Leben„Was gibt deinem Leben Sinn?“

6. Fazit

Think–Pair–Share ist eine einfache, aber didaktisch hochwirksame Methode für den Religionsunterricht. Sie strukturiert reflexives Denken, partnerschaftlichen Dialog und gemeinschaftliches Lernen. Besonders bei sinn- und wertebezogenen Themen eröffnet sie Raum für individuelle Tiefe, soziale Auseinandersetzung und kollektive Verständigung. Für Lehrkräfte in Ausbildung ist sie ein verlässlicher Bestandteil eines religionspädagogischen Methodenspektrums, das beteiligend, wertschätzend und kompetenzfördernd arbeitet.